Steißbeinschmerz - Coccygodynie

Hintergrund

Schmerzen in der Steißbeinregion (lat. Os coccygis) am untersten Ende der Wirbelsäule am Gesäß können unterschiedliche Ursachen haben.  Quälende Schmerzen beim Sitzen treten spontan auf oder sind Folge eines Sturzes mit Fraktur des Steißbeins. Manchmal steht der Schmerz in Zusammenhang mit einer Entzündung oder einem Tumor. 

Problem

Der Patient ist ausgerutscht und direkt auf das Gesäß gestürzt. Seit dem Unfall sind bereits sechs Monate vergangen. Nicht jedoch die permanenten Schmerzen am Steiß besonders beim längeren Sitzen - egal wie oder worauf er sitzt. Der neu angeschaffte, weich gepolsterte Bürostühl hat die Situation nicht verbessert. Daheim im Sessel oder auf der Couch kann er auch nicht entspannen und schmerzfrei sitzen. Stattdessen verlagert er ständig sein Gewicht auf die eine oder andere Gesäßhälfte. Das Problem ist eine echte Behinderung. Vom Hausarzt wurden bereits verschiedene Schmerzmittel (NSARs), ein spezielles Sitzkissen und mehrere lokale Infiltrationsbehandlungen verordnet - leider ohne Erfolg. Seine Geduld ist am Ende. Was also tun?

Lösung

Zur Lösung des Problems bedarf es einer gründlichen Untersuchung und Abklärung der tatsächlichen Ursache des Steißbeinschmerzes. Der erste Schritt ist die körperliche Untersuchung beim Arzt. Zusätzlich sollten Röntgen- und MRT-Aufnahmen des Steißbeins, Kreuzbeins und Beckens angefertig werden.  Mit Hilfe dieser Bilder können knöcherne Strukturen und alle umgebenden Weichteile dargestellt werden.

Der Patient hat keine entzündliche Darmerkrankung, keinen Tumor und auch seine Stuhlproben mit den Laboruntersuchungen waren unauffällig.  Jedoch zeigten die Bilder (Abb. A und B) ein untypisch und nach vorne "abgeknicktes" mobiles Steißbeinende. Bei der rektalen Untersuchung bewegt sich das Steissbeinende hin und her. Die Untersuchung löst den typischen Schmerz aus. Im MRT sind an dieser Stelle des Steißbeins fortgeschrittene, degenerativ veränderte Bandscheibenreste zu erkennen (Abb. B).

Die chirurgische Behandlung sollte, wegen der mit jeder Operation verbundenen Risiken, nur dann in Betracht gezogen werden, wenn alle anderen Behandlungen keinen Erfolg gebracht haben. Bei der Operation (Kokzygektomie) wird der schmerzhaft veränderte Teil des Steißbeins entfernt (Abb. C). In diesem Fall werden die letzten beiden Wirbel mitsamt den veränderten Bandscheibenresten entfernt (Abb. D). Die umgebenden Strukturen werden geschont. Nach ca. 14 Tagen ist der lokale Wundschmerz abgeklungen und der Patient kann wieder schmerzfrei Sitzen. In anderen Fällen dauert es länger bis die typischen Schmerzen abklingen.